Kein Tag am Pool

am

Als ich heute die Nase aus dem Fenster gesteckt habe, musste ich feststellen, es ist kalt (ich tippe auf 25° aber das ist nur eine Vermutung). Die zweite Veränderung, auch wenn ich es noch nicht als Solche wahrgenommen habe, war ein komisches Brot am Frühstücksbuffet. Nach dem Frühstück ging es nicht, wie sonst immer, zum Schwimmen sondern wir haben unsere Sachen gepackt und haben uns auf den Weg zum nahe gelegenen Festetics Imre Allatpark gemacht. Das ist eine Art Tiergarten mit ungarischen Haus- und Hoftieren und einem kleinen Infocenter rund um die Natur des Balatons.

Den Kindern hat das Infocenter sehr gut gefallen aber so wirklich die Geduld für Museen haben sie noch nicht, somit waren wir da recht schnell durch. Bei den Tieren war es gleich viel besser (auch wenn Merlin im Vorhinein hoch und heilig geschworen hat, dass das ein super blöder Ausflug wird). Als erstes gibt es Schafe zu füttern. Das ist mir persönlich sehr sympathisch. Schafe gehören zu meinen Lieblingstieren. Sehr freundliche Wesen. Die nächsten auf der Runde waren die Wildschweine. Die kann man zwar nicht füttern aber die Kinder hatten großen Gefallen daran wie sie miteinander streiten. Daniel und ich hatten eine Art Vietnam-Flashbackt mit streitenden Kindern bekommen.

Als nächstes gab es Dammwild zu bestaunen. Die Männchen hatten noch Bast am Geweih. Das fühlt sich sehr samtig an und blutet stark an Stellen wo es verletzt wird. Die Weibchen habe sehr lange Wimpern und wunderschön glänzende, schwarze Nasen. Mit den großen Ohren, den grazilen Hälsen und den langen Beinen eine elegante Erscheinung. Selbiges gilt natürlich auch für die Hirschkuh im Gehege nebenan, die, ohne die weißen Flecken an der Flanke, noch um einiges adulter wirkt. Sie beachtete uns aber nicht weiter und fraß lieber, mit einer gewissen herablassenden Arroganz, ihr Heu. Nun muss man den Tierparkt einmal verlassen um die Straße zu queren. Auf der anderen Seite wird man von zwei kleinen, schwarzen Pulis in Empfang genommen. Für alle die keine Ahnung haben, was ein Puli ist, es handelt sich um kleine ungarische Hütehunde mit schwarzem Fell das, so man es nicht kämmt, irgendwann zu starken Platten verfilzt.

Neben dem Gehege der Hunde suhlten sich drei Mangalizaschweine im Schlamm. Auch sie haben kein Interesse an Heupellets. Das Pony gegenüber hingegen schon. Da wir hier im Hotel aber auch jede Menge Pferde und Ponys haben, war das Interesse eher gering. Die drei Ziegen im nächsten Pferch zogen alles Interesse auf sich. Zumindest bis der Ziegenbock beschloss das Futter muss schneller in sein Maul geschaufelt werden und mit dem Kopf gegen das Gitter rammte. Leider waren Emmas Finger dazwischen. Es ist wohl selbstredend, dass dies eher den gegenteiligen Effekt hatte als gewünscht und die Kinder schnell das Weite suchten ohne den Bock weiter zu füttern.

Gerade als wir die Gänse füttern wollten (die knabbern nur ein bisschen und beißen nicht fest, ich kenne das anders) hat es zu regnen begonnen. Tapfer haben wir uns noch zum Fasan, den Puten und Perlhühnern durch gekämpft ehe wir uns unter das Dach der „Cafeteria“ zurück gezogen haben. Sobald sich der Regen verzogen hat gab es einen wilden Parcourslauf über den Spielplatz. Auf den Aussichtsturm, auf den Rutschturm und die Rutsche runter, über die Ziegenschaukel und die Baumstammbrücke, über die zweite Brücke und das Schaf zurück. Das hat geholfen die Verletzung durch den boshaften Ziegenbock zu vergessen. Mit einer extra Streicheleinheit für die Hunde haben wir uns auf den Weg zurück zu den Schafen und dem Dammwild gemacht um unser restliches Futter los zu werden (und für mich zum Schafe kuscheln).

Nach dem Tierpark waren alle hungrig und da es erst früher Nachmittag war, beschlossen wir bei einem Supermarkt halt zu machen und eine kleine Jause zu kaufen. Wir fahren zum nahe gelegenen Lidl, geschlossen. Komisch. Der Tesco wird sicher offen haben. Wir fahren in die Richtung, das selbe Bild. Ein völlig leerer Parkplatz und ein dunkler Laden. Mir ist das Brot von heute morgen mit einer rot-weiß-grünen Banderole noch im Hinterkopf. Heute ist sicher ein Feiertag. Daniel befragt Google, der Penny in der Nähe hat geöffnet. Wir fahren hin, auch geschlossen. Gut. Vermutlich schließen die Läden in Ungarn Samstags schon zu Mittag. Wir machen uns auf zum Strand. Da, der Parkplatz vom nächsten Lidl ist voller Autos. Mit beinahe einer Notbremsung kratze ich die Kurve und parke mich ein. Daniel steigt aus um unsere Jause zu besorgen. Nach ein, zwei Minuten kommt er sichtlich ratlos zurück. Da ist zu. Aber was machen dann all die Autos und Leute hier? In Detektivmanier folgen wir unauffällig einer Familie die ihr Auto abgestellt hat und nun irgendwo hin geht. Bald wird klar, die sie unterwegs zum Schloss. Hier gibt es aber nirgendwo mehr Parkplätze und wir wollten ohnehin zum Strand. Wieder komme ich nicht umhin die gehissten, ungarischen Flaggen zu bemerken.

Am Strand ist es reichlich voll, aber wir bekommen wieder den gleichen Parkplatz wie schon am Mittwoch. Das ist gut. Hier sind heute überall Stände mit Essen und Kunsthandwerk aufgebaut. Interessant. Schön langsam scheint sich auf Daniel mit der Feiertagsidee anzufreunden. Wir suchen den Bankomat. Mit Kartenzahlung, so wird uns schnell klar, kommen wir hier nicht weit und unser Bargeld reicht maximal noch für die Parkgebühr. Den Bankomaten finden wir rasch doch er ist außer Betrieb. Daniel schnappt sich also das Auto und fährt zum Bankomaten während ich den Kindern an einem Sissi-Denkmal eine Einführung in die Donaumonarchie gebe. Nachdem das nicht so wahnsinnig spannen ist und der Springbrunnen viel verlockender ist, gehen wir dort hin.

Ich sorge dafür, dass die Kinder nicht völlig durchnässt sind und Daniel ist bald darauf zurück. Er geht los um unser Ticket für das Riesenrad (wir hatten es versprochen) zu kaufen, da rastet Oskar völlig aus. Er fährt bestimmt nicht mit dem Riesenrad, er fürchtet sich. Ganz in Manier eines Kleinkindtrotzanfalles, trage ich das schreiende, um sich tretende Kind zum Riesenrad (ich bin fest überzeugt, dass es ihm, einmal drinnen gefallen wird). Die anderen beiden sich aufgeregt und waren ungeduldig in der Schlange bis wir endlich an der Reihe sind. Die Kabine zwei wird schließlich unsere. Oskar hat sich beruhigt, klammert sich aber ganz fest an Daniels Hals. Während das Riesenrad sich langsam dreht und wir höher und höher steigen wird auch den anderen beiden etwas mulmig. Ich habe ja so meine Schwierigkeiten mit Höhe, bleibe aber ganz cool. Drei Runden dürfen wir fahren. Die Aussicht ist wirklich schön.

Nach dem Riesenrad wollen die Kinder die angestaute Energie, das waren bestimmt zehn Minuten sitzen, am Spielplatz auspowern. Daniel macht sich zwischenzeitlich auf die Suche nach Essen. Er kommt zurück mit einem Döner und einer Portion Pommes die, wie gleich im Anschluss ein Burger und ein Hotdog, eingesaugt werden um dann im Outdoorfitnesscenter abtrainiert zu werden.

Ich würde jetzt gerne etwas die Stände entlang spazieren und einmal aufs Pier hinaus gehen. Dort haben diverse Pärchen Liebesschlösser angebracht. Das hat die Kinder besonders fasziniert. Am Weg zurück sind wir an einem Fischer vorbei gekommen der gerade einen Mini-Fisch an Land gezogen, und anschließen zurück in den Schilfgürtel geworfen hat. Die Kinder sind noch eine Weile neben ihm gesessen aber natürlich hat er sonst nichts mehr gefangen. Nun wollte das Geld ausgegeben werden. Die Frage ist nur, wo? Süßigkeiten, Eis, Luftballons oder doch lieber die Hüpfburg? Das restliche Bargeld reicht für drei Kinder zehn Minuten in der Hüpfburg. Emma sagt das ist nicht lange genug also fällt das raus. Eis haben wir auch zu Hause. Die Merchandising Produkte an der Promenade sind viel zu teuer. Schließlich landen wir doch am Süßigkeitenstand wo sich jeden Kind einen Riesen-Schlecker aussucht. Den gibt es nach dem Abendessen. Zum Abschluss dürfen sie noch einmal in den Springbrunnen, diesmal bis sie völlig durchnässt sind. Nach fünf Minuten ist ihnen kalt und der Spaß vorbei. Wie gut, dass im Auto ein Wetbag für das nasse Gewand ist und was trockenes zum Anziehen. Ab zum Hotel. Pool, Dusche, Abendessen und Bett. Morgen geht es ab nach Hause. Geplant wäre noch ein Abstecher zur Burg Sumeg. Mal sehen ob wir das schaffen. So wie ich mich selbst kenne wird es vom letzten Tag keinen Bericht mehr geben (zu Hause bin ich dann mit Koffer ausräumen, Wäsche waschen und all den anderen, unangenehmen Dingen nach dem Urlaub beschäftigt und schreibe nicht mehr).

Eine kleine Anmerkung am Rande; der 20. August ist tatsächlich einer von Ungarns drei Nationalfeiertagen. Es wird gefeiert das König Stefan I. die Stämme der Magyaren einen konnte und somit Ungarn gegründet wurde. Das Brot gehört auch dazu, der Tag wir offenbar auch „Tag des neuen Brotes“ genannt. Es wird bei einer Messe in der Früh in der Kirche gesegnet. Mehr konnte ich auf die Schnelle nicht raus finden. Ich denke nicht, dass das Brot an unserem Buffet gesegnet war, aber der Brauch klingt nett.

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