Venedig

Nach knappen vier Stunden Schlaf läutete mein Wecker. In Erwartung eines netten Urlaubs fand ich auch das Aufstehen überhaupt nicht schlimm. Daniel war wohl anderer Meinung. Ihn aus dem Bett zu bekommen war überhaupt nicht so einfach. Erst als ich sagte, ich lade jetzt die Kinder ein und fahre ohne ihn (war natürlich nur ein Bluff), konnte ich ihn dazu bringen aufzustehen.

Nachts fahren ist herrlich. Die ganze Autobahn ist leer und man kann flott fahren. Vorausgesetzt natürlich, man muss nicht über die Pack fahren. Die hat mir ordentlich Zeit gekostet. In Hermagor, kurz vor der Grenze haben wir kurz noch einmal den Tank aufgefüllt. Da wurden die Kinder wach, die bisher brav geschlafen hatten.  Emma ist freundlicherweise wieder eingeschlafen, Merlin wollte nicht mehr schlafen, er ist also somit heute um halb sechs aufgestanden. Irgendwo in Italien haben wir dann getauscht und Daniel musste fahren, ich habe eine dreiviertel Stunde am Beifahrersitz gedöst. Bei Merlins erster Pinkelpause am Pannenstreifen, kurz vor Venedig mussten wir wieder zurück tauschen.P1070772.JPG

Wir haben das Auto dann in Venedig am Hafen in die Parkgarage gestellt. Günstig ist es mit 21€ für einen Tag nicht gerade, aber recht praktisch. Es sind fünf Kindergehminuten zu den Booten in Richtung Markusplatz. Ein solches haben wir genommen und sind voller Vorfreude eingestiegen. Das wir am Hafen noch etwas warten mussten, ehe das Boot los fuhr, war halb so wild, denn wir konnten die großen Kreuzfahrtschiffe bewundern, die dort vor Anker lagen. Außerdem habe ich den Kindern ihre Löwen ausgehändigt. Die habe ich gestern noch nach einer Schablone von „wasfürmich“ (ich füge den Link am Ende des Beitrags ein) ausgedruckt und ausgeschnitten. Für jeden in Venedig gesehenen Löwen, darf ein Teil der Mähne abgerissen werden. Wer am Schluss den Löwen mit den wenigsten Haaren hat, der hat gewonnen. Aus dem Wettbewerb wurde aber nicht. Merlins Löwe war trotz Tixoverstärkung schon kaputt, ehe unser Boot überhaupt ablegte.

P1070779.JPGDann ging es los. Ich würde schätzen, wir sind eine halbe Stunde sowas gefahren, bis wir in der Stadt waren. Und dann waren wir mitten im Getümmel. Erst einmal überwältigt gingen wir los in Richtung Markusplatz. Da wir keinen Plan für den Tag hatten, haben wir beschlossen, dass man den zumindest einmal gesehen haben sollte, außerdem hatten wir den Kindern Tauben versprochen. Am Markusplatz angekommen, hatten wir erst einmal beinahe Merlin verloren (und das nicht nur einmal). Er kann sich in einer unglaublichen Geschwindigkeit zwischen den Erwachsenen durchdrängen und ehe man es sich versieht, ist er weg. Erst die Drohung einer Leine konnte ihn dazu bewegen in der Nähe zu bleiben. Fürs erste machte sich große Enttäuschung breit. Viele Touristen aber keine Tauben. Doch dann, was für ein Glück, haben wir sie gefunden. Alle drei Kinder stürmten auf die Vögel zu und stolperten dann beinahe über sie drüber, denn venzianische Tauben fliegen nicht davon, sie gehen nur einen Schritt zur Seite. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gewöhnten sich Kind und Vogel aber aneinander und das Jagen war doch noch möglich. Was für ein Spaß! Drei Kinder die wie wild über den Markusplatz jagen und zwei leicht nervöse Eltern die versuchen, die Kinder im Auge zu behalten und einander zu rufen: „Ich nehme den, du behaltest die im Auge!“ Eigentlich wollten mir die Kinder ja Mais in die Haare streuen, damit die Tauben auf meinem Kopf landen, aber leider, leider hatten wir keinen Mais mit. Wir hatten aber Oskars halbes Milchbrötchen und mit dem kann man auch prima Tauben anlocken. Die gehen dann auch, wenn man ganz mutig ist, auf die Hand rauf.P1070794.JPG

Vom Markuslatz sind wir weiter gewandert in die Stadt hinein und von den Menschenmengen weg. Die Kinder waren sehr fasziniert von all den Läden mit Masken und Glasfiguren. Von denen gibt es hier wirklich Unmengen und ich bezweifle stark, dass all das Muranoglas tatsächlich hier produziert wird. Es gibt einfach zu viel davon. Wären die Kinder älter gewesen, hätte ich ihnen wohl als Erinnerung eine kleine Glasfigur gekauft, aber so wäre es einfach nur rausgeschmissenes Geld gewesen. Dafür gab es ein Eis. Zwar auch nicht günstig aber es war gut. Vom Eis sind wir weiter zur Akademiebrücke gegangen. Dort haben wir eine Braut beim Fotoshooting gesehen. Sie hat Emma sehr gut gefallen. Dort fanden wir auch endlich eine Toilette. Zwischendurch, immer wieder wenn Emmas Motivation sank, suchten wir Löwen, die Hälfte der Zacken war schon weg. Von der Akademiebrücke aus beschlossen wir und am Rückweg zum Hafen zu machen. Eigentlich wollten wir zu Fuß gehen, aber es war uns dann doch zu weit, also sind wir der großen Promenade entlang zurück zu dem Anlegeplatz gegangen, an dem wir ankamen. Ab da begann der mühsame Teil. Wir waren seit rund drei Stunden gehen unterwegs und es stellte sich eine gewisse Müdigkeit ein. Oskar war in der Trage, Merlin schlief auf Daniels Schultern. Emma motivierten wir zum weiter gehen mit dem Versprechen einer Überraschung aus dem Souvenirshop. Bei der Überquerung des Canale Grande kam es zum Supergau. Die Brücke war gesperrt, wir mussten bis zur Akademiebrücke zurück (also die Strecke, die wir die letzte dreiviertel Stunde gegangen waren). Der öffentliche Verkehr streikte heute und die Taxis kosteten 70€. Zum Glück las ich gestern von Übungsgondeln. Die Gondolieri müssen eine gewisse Anzahl an Übungsstunden absolvieren, ehe sie eine eigene Gondel fahren dürfen. Diese absolvieren sie, indem sie Touristen von der einen Seite des Canale Grandes zur anderen schippern. Die Überfahrt kostet pro Person zwei Euro. Somit sind wir doch einmal im Leben mit einer Gondel gefahren. Emma hat sich sehr gefreut. P1070810.JPG

Ich erspare euch jetzt ein paar Details, wie wir versuchten ein Boot zurück zum Hafen zu finden. Ein gar nicht so leichtes Unterfangen, denn es gab einfach keines. Zufällig las ich auf der Stadtkarte, die wir auf der Hinfahrt beim Ticketkauf bekommen hatten, dass eine Rückfahrt in zirka einer Stunde starten würde. Wir beschlossen uns also in ein kleines Restaurant zu setzten und erst einmal Pizza und Spaghetti zu essen. Das hebt die Laune. Oskar bezirzte österreichische Touristen, Merlin, der offenbar wieder Energie hatte, rannte Runde um Runde um den Gastgarten. P1070817.JPG

Um kurz vor halb vier haben wir dann tatsächlich das passende Boot gefunden und konnten zurück zum Hafen fahren. Nach sieben Stunden Venedig waren wir zurück beim Auto. Alle waren sehr dankbar, denn wir waren müde.

Mein Fazit zu Venedig: Venedig ist eine wunderschöne und faszinierende Stadt die immer wieder einen Besuch wert ist und sie hat uns alle fünf sehr fasziniert. Kinderfreundlich ist Venedig leider trotzdem nicht. Es gibt keine Spielplätze und leider auch sonst nichts für Kinder. Auch Parkbänke und Toiletten sucht man teils vergeblich. Wer jedoch abseits der Touristenpfade unterwegs ist, kann trotzdem viel Tolles sehen und die Kinder liebten es die vielen, bunten Schaufenster zu bewundern. Das nächste Mal nehmen wir aber Gummistiefel für die Kinder. Venedig wird vom Meer verschluckt und somit kommt das Wasser an verschiedenen Stellen einfach aus dem Boden oder schwappt über die Ufer. P1070797.JPG

Von Venedig aus hatten wir noch drei Stunden Autofahrt nach Rimini vor uns. Hier sind wir in einem Hotel mit winzigen Zimmern, dafür aber Meerblick. Badewanne haben wir keine, das half den Kindern aber nicht, sie mussten nach Venedig duschen. Sie waren so unglaublich dreckig. Die Betten sind nicht gerade bequem, aber ich war so müde, dass ich einschlief, ehe ich meinen Blogbeitrag schreiben konnte, daher kommt der auch etwas verspätet, ihr entschuldigt.

Für heute steht der Strand und San Marino am Programm. Dann geht es los in Richtung Neapel. Wir werden jetzt dann wohl besprechen, ob wir noch einen Zwischenstopp wo einlegen wollen, oder doch lieber ganz durch runter fahren. Mal sehen, wie weit es noch ist.

Hier noch der Link zum Blogeintrag von wasfürmich: https://wasfuermich.de/venedig-mit-kindern-entdecken-inklusive-anti-langweile-loewe/

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