Eselwandern in Rumänien

Irgendwann vergangenen Herbst hatten sich meine Eltern, passionierte Weitwanderer, einen Bilderband über die schönsten Fernwanderwege Europas aus der Stadtbücherei ausgeborgt. Auch wenn ich weder die Kondition für Fernwanderwege noch die Zeit dazu habe, so habe ich doch eine gewisse leidenschaft fürs Wandern geerbt und eine Sehnsucht nach Ferne. Also habe ich an jenem Tag das Buch über Fernwanderwege aufgeschlagen und zu schmökern begonnen. Was für tolle Wanderungen es doch nicht gibt. Eine Wanderung ist mir jedoch besonders ins Auge gesprungen. Es war eine Wanderung durch Frankreich auf den Spuren des Autors C. R. Stevensons durch die Cevennen. Mehr als Spaß als aus Ernst habe ich zu meiner Mutter, die Esel über alles liebt, gesagt, dass wir unbedingt diese Wanderung machen müssten. Ihr leuchtete das natürlich sofort ein und aus dem Spaß wurde Ernst. Als meine Mutter und ich beim Mittagessen erzählten, dass wir nach Frankreich fahren um mit Eseln zu wandern, da meinte mein Vater, nicht ohne ihn und da meine Schwester nicht gerne alleine zu Hause bleibt und sonst womöglich auf den Hund hätte aufpassen müssen, hat sie kurzerhand beschlossen auch mit zu kommen.

Den Winter über ruhte die Idee. Zum einen, da ich auf Urlaub war und zum anderen, da es doch eine ziemlich verrückte Idee war. Mit dem Frühling begann jedoch die Wanderlust zu wachsen und so wurde ich beauftragt mich genauer über Eselwanderungen zu informieren. Ich fand eine tolle Website, die Eselwanderungen in ganz Europa anbot und suchte einige nette heraus. Letzten Endes hatten wir uns dann für eine Eselwanderung in den Ursprünglichen Kapaten in Rumänien entschieden, da dies eine sehr unberührte, ursprüngliche, landwirtschaftlich genutze Landschaft ist und nicht vorauszusehen ist, wie lange diese Landschaft noch so bleiben wird ehe die Industrialisierung zuschlägt.

Unsere Reise führte uns in den Nordwesten des Landes in die Provinz Cluj. Dies ist eine hügelige Gegend in der es nicht sonderlich viel an Infrastruktur gibt. Die Straßen sind, zumindest die auf denen man mit den Auto fährt, zumeist asphaltiert. Zwei Autos können aneinander vorbei fahren, zu behaupten die Straßen wären zweispurig wäre aber eine maßlose Übertreibung. Wenn man viele der hier fahrenden Autos betrachtet, dann muss man wohl davon ausgehen, das das Pickerl in Rumänien leichter zu bekommen ist als bei uns, denn viele Autos halten auch nur noch durch die Liebe des besitzers zusammen (in der Stoßstange des bauerns unserer ersten Unterkunft wuchs sogar Gras). Oftmals sind die Menschen aber überhaupt nicht mit Autos unterwegs sondern mit Pferdefuhrwerken. meist nur mit einem Pferd, gelegentlich auch mit zwei Pferden.

Die Landschaft ist durchzogen von vielen, kleinen Streudörfern. Wirkliche Supermärkte gibt es nicht. jeder Ort hat jedoch ein Magazin. Das ist eine Mischung aus Lebensmittelladen, Postamt, Apotheke und Bar. Man kanndort nicht wirklich was Einkaufen aber andererseits alles, was die Menschen hier so benötigen. Die meisten haben nicht besonders viel Geld. Sie leben von dem, was die Landwirtschaft hergibt und tauschen untereinander. Das wenige Geld, dass sie haben wird für Tiolettenpapier, Seife und Treibstoff benötigt. Trotz der, nach mitteleuropäischen Maßstäben gemessenen Armut, wirkten die Menschen nicht arm oder unglücklich. Eher im Gegenteil. Ich stelle die Behauptung auf, dass sie glücklicher, oder zumindest erfüllter waren. Von früh morgens bis abends wird gearbeitet. Das mag hart und anstrengend klingen, ist es bestimmt auch, aber Stress hat hier keiner. Die Landwirtschaft ist weitgehend nicht motorisiert. Einige besitzen einen Balkenmäher, der Großteil der Wiesen wird trotzdem von Hand mit Sensen gemäht. Jeder Bauernhof hat Hühner, die meisten Schweine und Kühe und einige haben auch noch Pferde und Schafe. Der Hofhund darf natürlich nicht fehlen und ich vermute, jeder hat auch eine Katze, auch wenn die in den meisten Fällen nicht zu sehen war. Kurzum, eigentlich ist es eine Landwirtschaft wie wir sie hier bei uns in Österreich nur noch aus den Bilderbüchern unserer Kinder kennen, denn selbst die meisten unserer Großeltern sind schon mit einer anderen Landwirtschaft aufgewachsen.

Anbei noch, für interessierte, die Homepage zum Eselwandern:

http://eselwandern.de/

Panorama über die Landschaft
Panorama über die Landschaft

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